Unsere 5 Learnings zur Floßplanung auf 3 Kontinenten

In Zeiten des Internets ist Kommunikation und Kollaboration ja eigentlich einfach. Jede_r kann arbeiten wo er oder sie möchte und alles wird digital diskutiert und entschieden. Wir haben ja schließlich Handys und WLAN. Zumindest in der Theorie ist es also kein Problem, dass Julia in Asien einen Yogakurs macht und Nadja in New York StadtentwicklerInnen für ihre Doktorarbeit interviewt. Allerdings mussten wir schmerzlich lernen, dass Zeitverschiebung, Kompabilität von Formaten und das gute alte Internet unsere Nerven strapazierten und es ohne offline eben doch nicht geht.

Unsere fünf Learnings für zukünftige Projekte aus der digitalen Zusammenarbeit am Floßprojekt der letzten Wochen:

1. Irgendwas ist immer – ja, wirklich IMMER mit der Technik

Trotz halbwegs neuen Handys und Laptops gibt es immer am Anfang Schwierigkeiten, wenn mehrere Personen sich einwählen oder ein Dokument bearbeiten. Wir haben uns am Ende darauf geeinigt, eine halbe Stunde Pufferzeit einzuplanen, damit wir nicht frustriert sind. Falls man die nicht braucht, dann kann man immer noch die Zeit zum Plaudern nutzen, bevor der Call anfängt.

2. Zeitverschiebung ist verwirrend und erfordert klare Absprachen oder besser einen geteilten Kalender

Das Vor- und Zurückrechnen über drei Zeitzonen hinweg ist tatsächlich manchmal schief gelaufen und Dinge lassen sich im Ausland schlecht planen. Da hetzt Julia in Thailand noch zum Taxi, weil der Berufsverkehr stockt, während Anja extra vorzeitig eine Party in Berlin verlässt und Nadja verschläft dann doch in New York, weil gerade auf Sommerzeit umgestellt wurde. Abhilfe verschafft ein Kalender, der die Zeitzonen automatisch einträgt (z.B. im Googlekalender möglich), das Vier-Augenprinzip und idiotensichere Absprachen.

3. Digital ist gut, aber ohne analog geht es nicht

Besonders zu Beginn dieses Projekts war es für uns extrem wichtig, dass wir uns auch offline kennenlernen und Grundsätze diskutieren. Wir haben erstmal ein ganzes Wochenende damit verbracht uns zu beschnuppern und Visionen und Vorstellungen zu teilen. Ohne diese Zeit hätte uns die Grundlage für die hunderten Emails und Nachrichten sicherlich gefehlt. Wer sich offline nicht kennt, versteht sich digital oft falsch. Klingt banal und ist trotzdem total wichtig.

4. Ohne klare Regeln zur Entscheidungsfindung geht jede Diskussion unter

Kernfrage bei digitalen Diskussionen ist, wie Entscheidungen getroffen werden. Wir hatten uns zu Beginn geeinigt die Prinzipien der soziokratischen Kreisorganisation einzuhalten. Dieses Verfahren kommt aus den Niederlanden und wurde dort entwickelt, um das Zusammenleben und -arbeiten von Menschen zu organisieren. Es basiert auf folgenden vier Basisregeln: (1) Konsent, (2) Wahl von Personen, (3) Kreisorganisation, und (4) Doppelte Verknüpfung. Mehr dazu gibts hier:http://www.soziokratie.com/was-ist-soziokratie/die-vier-basisregeln.html

Für unsere Kommunikation über 3 Kontinente hinweg war vor allem das Prinzip der Konsensentscheidung wichtig. Das bedeutet, dass man Lösungen findet, mit denen ALLE Gruppenmitglieder leben können (im Gegensatz zur Mehrheitsentscheidung, bei der nur die MEHRHEIT damit zufrieden sein muss). Eine Grundsatzentscheidung muss also von allen Gruppenmitgliedern mindestens toleriert werden. Dadurch muss keiner Angst haben, dass die eigene Meinung vorschnell übergangen wird. In der Praxis bedeutet das, dass man manchmal auch im Konsens entscheidet, dass man eine bestimmte Entscheidung gerade NICHT im Konsens entscheidet. Bei Zerreißproben wie der Namenssuche siegte am Ende doch die Mehrheit – aber nur weil alle mit diesem Verfahren einverstanden waren.

5. Email klappt gut für wichtige Fragen und Kontakt nach außen, per Facebook diskutieren wir schneller und offener, bei anderen Tools wählt man sich dann doch nicht ein.

Wir haben im Endeffekt mehr über eine Facebookgruppe diskutiert als per Email. Die Hemmschwelle einen Post oder Kommentar zu schreiben ist geringer als bei einer Email und Diskussionen mit mehreren Posts bleiben übersichtlicher. Das ist Geschmacksache aber hat für uns gut funktioniert. Es gibt zahlreiche andere Onlinetools, die sicher in der Funktionalität praktischer gewesen wären… aber da bleibt jeweils das Problem, dass man sich extra einwählen muss. Und ja, wir geben zu, dass die meisten von uns eben eh schon mehrmals täglich diese hellblaue Seite aufrufen, deshalb blieb es dabei.

…nach hunderten Mails, Posts, geteilten Dokumenten und Calls stand die Crowdfunding-Kampagne. Wir sind überwältigt von dem ganzen Support, den wir bisher erhalten haben und sowohl online und offline unfassbar glücklich. Danke, danke danke! Ihr seid toll! Und wir sind dann langsam alle auch wieder zusammen auf einem Kontinent, in einer Stadt und auf einem Fluss!!! Denn der tatsächliche Bau startete bereits ganz und gar offline (aber wie ihr auf Facebook seht, wir posten natürlich vom Fortschritt ;)).

Nadja