Der Traum vom eigenen Floß ohne Kompromisse

Weil wir in letzter Zeit oft darauf angesprochen wurden, wie die Idee der „Panther Ray“ entstanden ist, möchten wir euch heute gern davon erzählen und vor allem erklären, was es mit Dragon Dreaming auf sich hat. Wenn Projekte entstehen, ist es normalerweise doch so, dass eine Person oder eine kleine Gruppe von Leuten das Projekt ins Leben rufen und vorantreiben. Oft ist es die Vision einiger Weniger, der sich dann Andere anschließen und dennoch nicht unbedingt mit allem einverstanden sind. Der Traum von der „Panther Ray“ ist ein bisschen anders geboren. Mit dem Ziel keine Kompromisse zu machen und ein Projekt zu starten, in dem alle acht ProjektstarterInnnen gleichberechtigt ihre Floßträume wiederfinden, haben wir uns Anfang Februar für ein Wochenende getroffen. Völlig ergebnisoffen – damals war noch nicht klar, ob wir in dieser Gruppenkonstellation überhaupt ein Floß bauen würden – haben wir mit der Dragon Dreaming-Methode uns und unsere Visionen kennen gelernt.

Win, Win, Win

Dragon Dreaming ist eine Methode zur Visionsfindung und Projektentwicklung, die von dem Australier John Croft entwickelt wurde und westliche Projektmanangement-Tools mit dem spirituellen Wissen der Aboriginees verbindet (Einen schönen Einführungstext dazu gibt es auf dem Sein-Blog:https://www.sein.de/dragon-dreaming-traeume-verwirklichen/ und mehr Infos auf http://www.dragondreaming.org/). Ich arbeite noch nicht so lange damit und war sehr dankbar, dass sich die Gruppe darauf eingelassen hat, etwas Neues auszuprobieren. Die Dragon Dreaming geht nämlich von der in unserer westlichen Kultur wohl eher unüblichen Win-Win-Win-Prämisse aus, also davon, dass Projekte und Visionen nur dann erfolgreich sein werden, wenn sie drei Anforderungen erfüllen: 1. Sie dienen dem persönlichen Wachstum jedes Einzelnen. 2. Sie fördern die Gemeinschaft und das Wachstum der Gruppe. 3. Sie stehen im Dienste der Natur und Gesellschaft. Alle drei Ziele sind gleichwichtig und keines darf zu kurz kommen. Diese Philosophie übersetzt Dragon Dreaming in konkrete methodische Schritte und in vier gleichwertigen Phasen – im Träumen, im Planen, im Handeln und im Feiern.

Den kompletten ersten Tag haben wir deshalb auch erstmal damit verbracht, so lange von unserem Floß zu träumen, bis jeder und jede alles gesagt hatte, was gesagt werden wollte – vom Traum einer Floß-Demo, der Bemalung und dem Kräutergarten auf dem Floßdach, von “Sex auf dem Außenborder” bis zum Open Source-Gedanken. In einem Traumkreis, in dem die Träume gemeinsam von allen gelesen werden, entstand so unser Gemeinschaftstraum von einem recycelten, Open Source-Floß, das Teil einer größeren Floßgemeinschaft ist und so viele Leute, wie möglich, einbindet.

Konkret werden

Am zweiten Tag hieß es dann konkret zu werden und diesen riesigen Traum in Arbeitsschritte zu übersetzen. Bei so viel Träumen waren die ersten auch schon skeptisch, ob das überhaupt geht. Doch schließlich haben wir die über 40 Träume in Termine, Aufgaben und Rollen übersetzt und der Projektplan stand. Am Ende des Sonntags haben wir uns dann alle dazu verpflichtet, unsere Vision zu realisieren – mit mehreren Stunden Arbeit jede Woche, mit regelmäßigen Treffen, mit Arbeitsgruppen, die sich z.B. um die Finanzierung, den Bau oder die Liegeplatzsuche kümmern.

Für mich noch wichtiger ist allerdings, dass wir an diesem Wochenende von acht einzelnen TräumerInnen, die sich nicht oder nur teilweise kannten, zu einer Floßgemeinschaft geworden sind – einem Floßgruppenkern (FGK) sozusagen. Wir haben unsere Träume und Ängste geteilt und gemeinsam entschieden, welche Aufgaben wir zuerst angehen, damit das Projekt auch wirklich klappt.

Auch im weiteren Projektverlauf wollen wir mit der „Panther Ray“ der Projektphilosophie des Dragon Dreaming gerecht werden: So soll jeder in der Gruppe immer Raum und Zeit haben an den Herausforderungen im Projekt und in der Gruppe zu wachsen – was auch bedeutet, dass man mal abtauchen, Fehler machen oder rummaulen darf. Wir wollen unsere Gruppe weiterhin offen für Veränderung halten, aber vor allem auch einen gesellschaftlichen und nachhaltigen Beitrag leisten. Wir verstehen unseren Floßgruppenkern vor allem dieser Vision verpflichtet und freuen uns deshalb, über jeden und jede, der/die weiter mit uns träumen will. Wir wollen Spaß haben, aber immer auch mehr als das: Jetzt braucht es also euch und eure Träume, damit auch unsere wahr werden können!

Nadja